RTV Lohmar

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Alpentransversale

Mit dem Wetter steht und fällt das Vorhaben, eine Woche lang mit dem Rad quer durch die Alpen von Freiburg nach Berchtesgaden zu fahren.

Kurz vor unserem Start setzten noch Unwetter das Alpenvorland unter Wasser, doch nun scheint es sich zum Positiven zu wandeln. Das achtköpfige Fahrerfeld ist reisefertig und während Wolfgang Walden schweren Herzens mit Knieproblemen seinen Start absagen musste, sprang Otto Loster spontan für ihn ein. Seine Mitstreiter sind Bernd Hauptmann, Wolfgang Schreiber, Matthias Hompes, Andrew Hilton, Hans Werner Vits, Matthias Keltsch und Georg Timmering. Routiniert ist unser Begleitwagen gepackt und Begleitwagenfahrer Herbert und ich warten am Freitagabend noch bis 20:30 Uhr auf unseren One-Way-Pkw für die Anreise. Der Autovermieter brauchte etwas Zeit, um uns etwas Großes und Luxoriöses für die Hinfahrt zu organisieren, mit dem Ergebnis, dass sich am Samstagmorgen sieben Muskelpakete in einen VW-Touran zusammenfalten müssen. Die teils verregnete Anfahrt überleben nach mehrfachem Sitzplatzwechsel dennoch alle unbeschadet.

Der geplante Prolog zwischen Freiburg und Kaiserstuhl entfällt, da es immer wieder tröpfelt und uns die Räder für eine Regentour just for fun einfach zu schade sind. Also geht es nach den Hotel Check-in in Heuweiler zum Sightseeing nach Freiburg. Eine gute Entscheidung, denn der Ausflug in die schöne Altstadt ist lohnenswert. Zunächst lebt Otto seinen Spieltrieb an einem defekten Parkautomaten aus, dann erstürmt er – wer sonst – die erste Eisdiele unserer Tour.

28.6.09 - Heuweiler (D)  – Jestetten (D) 114 km + 13 km 1350 Höhenmeter

Die Wolken vom Vorabend haben sich verzogen und wir können mit Sonne in den Speichen
ins Glottertal hineinrollen. Bald steigt die Strasse mit konstanter Neigung durch die Wälder in die Höhe. Kompakt fährt unser Peloton bis St. Märgen hinauf, dann wird der Blick über die Schwarzwaldhöhen frei und wir steigen noch weiter bis über die 1000m-Marke. Dann geht es zum Titisee hinunter, wo sich alle Touristen der Schwarzwaldregion getroffen haben, als gäbe es anderswo nichts zu sehen. Ein Stückchen weiter finden wir bei Bruderhalde einen Rastplatz für unsere Mittagspause. Hier sehen wir Herbert mit Wagen und Proviant das letzte Mal. Einmal passieren wir ihn noch an einer Tankstelle in Altglashütte, dann sind wir außerplanmäßig auf uns alleine gestellt. Hinter dem Schluchsee verlassen wir die Talstraße, um noch einmal auf einer ruhigen Nebenstrecken auf über tausend Meter hinaufzukraxeln. Dort geht es auf ein allmählich abfallendes Hochplateau, an dessen Fuß wir gerne wieder etwas Proviant fassen würden, doch von unserem Herbert keine Spur. Ein Anruf bringt Klarheit! Er steht 30 km hinter uns am Schluchsee und wartet auf uns. Da hilft nur Weiterfahren, er wird uns verfolgen! Ab Tiengen verläuft die Straße flach und es wird in Reihe gefahren, bis der letzte Anstieg über einen Höhenzug, der uns noch von dem Zielort trennt, überwunden werden muss. Jestetten, unseren Etappenort, erreichen wir 10 Minuten vor unserem Begleitwagen und haben somit das Rennen Mensch gegen Maschine klar für uns entschieden. Es ist erst kurz nach drei, so dass wir uns nach einer Erfrischung entschließen, noch zum Rheinfall weiterzufahren. Nach ein paar Kilometern geht es tief hinunter zum Fluss. Dank der großen Wassermassen bietet sich uns ein grandioser Anblick auf die brausende und schäumende Gischt. Unten auf der Promenade lassen wir das Naturschauspiel eine Weile auf uns wirken, dann geht es über eine steile Rampe direkt nach Neuhausen hoch. Da wird die Kette noch mal ordentlich gequält, bevor wir auf die 7 km Heimreise zurück nach Deutschland gehen.

29.6.09 - Jestetten (D) – Buchs (CH) 127 km 1100 Höhenmeter

Einem schmalen Weg folgen wir hinunter nach Rheinau und gelangen über eine historische Holzbrücke in die Schweiz. Dann geht es steil hinauf und wir haben noch mal einen Ausblick auf den schäumenden Fluss in der Nähe des Rheinfalls, bevor die Strasse sanft hügelig durch Felder und Wiesen des Thurgaus führt. In Frauenfeld gibt es nicht nur leichte Irritationen bezüglich des weiteren Streckenverlaufs, auch einige Hinweisschilder geben uns zu denken. Als Ausländer wollen wir nichts falsch machen und ignorieren einfach die Aufforderung an den Zebrastreifen „Fußgänger drücken!“. Ohne Körperkontakt mit den Passanten durchfahren wir auch das nächste Städtchen Wil, um dann bei Oberuzwil an einem Pfadfinderlager eine Rast einzulegen. Das malerische Plätzchen an einem See gelegen lädt förmlich zu einer längeren Pause ein. Auf dem weiteren Verlauf in Richtung Appenzell ändert die Landschaft nun ihr Aus-sehen. Bergige Wiesen, durchzogen von Wegen, verstreute Häuser, kleine Wäldchen prägen das Bild des Appenzeller Ländchens. In Appenzell gönnen wir uns schon wieder eine Pause. Eis-Essen in der Altstadt, denn unser Zeitplan ist großzügig! Wir haben jetzt noch 40 km vor uns – vermeintlich nur bergab. Aber Pustekuchen! Der kleine Wirtschaftsweg, den ich für die Talfahrt ausgesucht habe, führt erst mal bergauf, und zwar teilweise ganz heftig, verschwindet dann im Wald, um nach 7 km Kletterpartie endlich in die Gefällstrecke überzugehen. 500 Höhenmeter geht  es runter, aber schon nach ein paar hundert Metern kommt die böse Überraschung. Der Weg wird zu einem unbefestigten Naturpfad, umkehren ist aber zwecklos, also durch! Drei Kilometer geht es so, bis sich wieder Asphalt auf der Oberfläche zeigt. Wie durch ein Wunder gibt es keine Reifenschäden oder sonstige Defekte. Bei Oberriet ist der Talboden erreicht und wir haben jetzt noch 20 km zu rollen. Die Kette wird noch mal nach rechts gelegt und recht flott geht es das weite Rheintal hinauf, unseren Ziel Buchs entgegen. Nach dem Nudelessen steht nur noch die Hälfte der Mannschaft einem abendlichen Spaziergang aufgeschlossen gegenüber. Schade eigentlich, denn die andere Hälfte versäumt das historische Städtli Werdenberg, von dessen Schloss wir einen herrlichen Blick über das abendliche Buchs haben.

30.6.09 - Buchs (CH) – Kappl (A) 121 km    1830 Höhenmeter

Mit Respekt beginnen wir die Königsetappe unserer Tour. 1800 Höhenmeter geht es hinauf zur Silvretta. Doch erst machen wir noch einen Abstecher nach Liechtenstein. In wenigen Minuten haben wir alles gesehen und haben Vaduz und bald darauf das ganze Fürstentum durchquert. Auf der verkehrsreichen Straße rollen wir nach Feldkirch, dort quer durch die Altstadt und sind nun auf dem Weg zum Montafon. Wir sind nun schon ein Stück weit in Österreich und verlassen bei Bludenz die Hauptstraße. Baustelle, Stau und viel Verkehr verhindern bei Tschagguns, dass wir frühzeitig eine Pause machen. In St. Gallenkirch stoppen wir schließlich, nachdem wir schon einige Höhenmeter gemacht haben, um vor dem Hauptanstieg noch einmal ein paar Kalorien zu bunkern. Die Straße lässt bereits erahnen, dass sie bald Ernst machen wird, denn ein Ausweg aus dem Talkessel, in den wir hineinfahren, ist nicht erkennbar. Hinter Partenen steht die Mautstation; uns lässt man für lau auf die Hochalpenstrasse! Wer fährt auch schon freiwillig mit dem Rad hier hoch? Sofort beginnt der Anstieg mit zweistelliger Steigungsrate und wir müssen durch ein Spalier von einigen Dutzend Kühen, die hier wiederkäuend die Straße säumen. Die Gruppe fällt weit auseinander und als wir die Serpentinen erklettern, erkenne ich ganz unten noch ein paar Radler in „Lohmar-Grün“. Motivierend steht Herbert neben der Strecke: „Du siehst schlecht aus, Matthias!“ ruft er. Trotzdem beißt er sich weiter durch! Die Steigung ist brutal, meine Übersetzung erlaubt es mir kaum, mich einmal hinzusetzen, und nach wenigen Pedalumdrehungen kurbele ich weiter im Wiegetritt hinauf. Nach einer Dreiviertelstunde habe ich den Vermuntstausee erreicht und warte 10 Minuten auf Nachzügler, aber außer Otto ist niemand zu sehen. Wolfgang und Matthias haben mich schon bei einem Fotostopp passiert. Es wird kalt, also fahre ich weiter. Nach einer kurzen Erholungsphase sind die letzten 300 Höhenmeter zu erklimmen, das sind meist die schmerzhaftesten, denn zum Gipfel hin wird es auch immer kälter. Die Bielerhöhe ist bereits zu sehen, auch die gerade Rampe, die dort hinaufführt, aber auch die Regenwolke, die offensichtlich bereits einen Teil der Straße dort oben benetzt hat. Die ersten Regentropfen fallen, ich erhöhe die Drehzahl, komme aber dennoch nicht ungeschoren davon. Unter dem Vordach des Restaurants sammeln wir uns zunächst, legen uns am Begleitwagen ein wenig trocken und nutzen den Schauer für eine warme Mahlzeit in den geschlossenen Räumlichkeiten der Bieler Höhe. Bald zeigt sich wieder die Sonne und nach dem Essen können wir ein herrliches Panorama rund um den Silvrettasee genießen. Winddicht eingekleidet geht es auf die Abfahrt, die in Richtung Paznauntal ordentliche Geschwindigkeiten um die 70 km/h erlaubt. Allerdings stehen Kühe als wandelnde Schikanen auf der Straße und man weiß nie, in welche Richtung sie sich bewegen. Auf 1700 Meter gibt es einen unfreiwilligen Stopp, denn Bernd hat sich von der mitgebrachten Heimatluft aus seinem Hinterreifen getrennt. Während des Reifenwechsels scharen sich ein paar neugierige Pferde rund um unser Auto und sperren die Strasse vollständig. In einem unbeachteten Moment hat eines der Tiere sogar den Kopf im Laderaum; verständlich, denn da gibt es Brot, Müsliriegel und Bananen. Bald ist die Panne behoben und nach ein paar Cowboy-Einlagen mit Schlauch statt Lasso sind die Pferde verjagt und es geht weiter talwärts. Über Galtür und Ischgl erreichen wir das Paznauntal und steigen noch ein letztes Mal eine kleine Seitenstraße hinauf, die hangseitig dem Tal folgt und eine schöne Aussicht auf die Trisanna und die unten weiterführende Bundesstraße bietet. Wir passieren Tschatscha (der Ort heißt wirklich so!) und sind am Ziel in Kappl angelangt. Auch vom Hotel Post aus können wir uns über mangelnden Ausblick nicht beklagen.

1.7.09 - Kappl (A) – Klais (D) 103 km 950 Höhenmeter

Talfahrt ist heute angesagt - extrem auf den ersten Kilometern - und dankbar registrieren meine Mitfahrer, dass ich ihnen gestern Abend diese Auffahrt erspart habe. Aber kaum ist die Bundesstraße erreicht, entledigt sich Bernds Hinterreifen wieder der Luft. Die gestrige Reparatur war wohl zu hastig, das Felgenband hat sich verschoben und die Speichenlöcher freigegeben. Mit neuem Felgenband passt die Sache und es geht weiter das Paznauntal hinunter und wir folgen dem Verlauf der Trisanna. Bei Tobadill wird die Talmündung von einer imposanten Burg und einem Viadukt bewacht. Minus 400 Höhenmeter haben wir auf den ersten 15 Kilometern gemacht folgen nun dem Inntal nach Landeck. Ein Verbindungsstück, dass wir nutzen müssen, um auf die deutsche Alpenseite zu gelangen. Für die Augen gibt es erst wieder etwas, als die Straße sich aus dem Inntal erhebt und nach Imst hinüber führt. Dort schlagen wir die Richtung zum Fernpass ein, machen aber zunächst hinter Tarrenz eine kurze Rast. In einem Busch lauern Polizisten mit der Laserpistole, wir bleiben gerade noch unter dem Tempolimit. Bei Nassereith geraten wir zunächst auf eine Autostrasse und müssen durch den Graben auf den rechten Weg zurück laufen. Nun steigt die Straße zum Fernpass an und als wir das Schloss Fernstein passiert haben, beginnt es zu regnen. Die Steigung ist sehr gleichmäßig bei rund 6 % und trotz des recht starken Verkehrs gut zu fahren. Auf der Passhöhe hört der Regen auf, erste Parallele zum Silvretta! Die Tankstellen-Lady macht Ärger: „Sie verlassen unverzüglich das Gelände...“ Sehr freundlich! Tschüs Österreich!!! Weiter Richtung Deutschland! Unsere Mittagsrast machen wir am Fuße der Zuspitze bei Ehrwald, dann geht’s runter nach Garmisch-Partenkirchen. Kaum haben wir mit dem 10 km langen Schlussanstieg nach Klais begonnen, fängt es wieder an zu regnen. Überall stehen Radfahrer in Bushäuschen, wir ziehen das jetzt angesichts des nahen Hotel jetzt durch. Der Radweg ist uns unter besseren Wetterverhältnissen von der Tour nach Innsbruck bereits bekannt, führt ein Stück abseits der vielbefahrenen Straße durch Wiesen und Wälder, ist allerdings durch die Regenfälle verschmutzt und ein kurzes Stück unbefestigt. Am Zielort stellt der Regen sein Unwesen ein, wir müssen aber vor dem Einchecken noch eine Grundreinigung der Räder durchführen. Der gemütliche Gasthof lädt an diesem frühen Nachmittag zum Verweilen auf der Terrasse ein, unterbrochen durch einen ausschweifenden Spaziergang zum Barmsee. Dabei werden noch einmal etliche Höhenmeter zu Fuß fällig. Beim Abendessen draußen bietet sich uns ein tolles Alpenpanorama.

2.7.09 - Klais (D) – Kufstein (A) 124 km 900 Höhenmeter

Heute steht wieder etwas mehr Landschaft auf dem Programm. Damit beginnt es schon als wir hinter Wallgau einen unscheinbaren Weg hineinfahren und planmäßig auf die Mautstrasse nach Vorderriß gelangen. 13 km geht es durch ein Naturschutzgebiet entlang der Isar, die hier entspringt – ein Streckenab-schnitt für Genießer! Landschaftlich ändert sich am Ende der Mautstraße wenig. Die Straße wird breiter und wir kommen zum Sylvensteinstausee, in dessen stillem Wasser sich die Bergwelt perfekt spiegelt. Kaum der Rede wert ist der Achenpass, es sind nur 150 Höhenmeter hinauf, aber auch hier fallen ein paar Tröpfchen. Jetzt rollen die Lohmarer in Richtung Tegernsee. Riesenstau und Baustelle gibt’s in Rottach-Egern, wir mogeln uns über Fußwege an den Autos vorbei. Langsam meldet sich der kleine Hunger und bevor wir den Tegernsee verlassen, gibt es bei St. Quirin noch ein schönes Plätzchen, um Tische und Bänke aufzustellen, doch schon bald mahnt eine dunkle Wolke zur Weiterfahrt. Über einen Höhenrücken geht es hinüber zum Schliersee und schon auf dem Anstieg kriegt uns der Regen wieder zu packen. Der Schauer währt nicht lange und bis Hausham sind wir schon fast wieder trocken. Vor der Kulisse des markanten Wendelstein rollen wir nach Bayrischzell, wo die Sudelfeldstraße mit Regenwolke auf uns wartet. Aber auch hier ist es eher eine kleine Erfrischung. Wir steigen aus dem Talkessel empor und haben teils ganz ordentliche Steigungsprozente unter den Rädern. Als Matthias K. bei Bernd zum Über-holen ansetzt, ahnt der schon, wer da kommt: „Dem Atmen nach muss das was Großes sein!“ Die Straße erlaubt einen schönen Blick auf die eben noch befahrene Ebene, dann verschwindet sie bis zum Schei-telpunkt im Wald. Oben im Gasthaus glauben wir und noch eine Pause verdient zu haben und lassen uns neben einigen Bikern nieder. Auf Otto’s obligatorische Frage: „Haben Sie auch Eis?“ entgegnet die burschikose Wirtin: „A Steckerl-Eis kannst haben!“ Nach Kaffee und Kuchen – ohne Eis – geht es zügig durch die weitgezogenen Kurven der Sudelfeldstrasse hinunter. Überall ist Polizei präsent, denn hier ist ein Unfallschwerpunkt für Motorradfahrer. Selbst wir überschreiten in einigen Passagen das Tempolimit und mit hoher Geschwindigkeit ist die Strecke gar nicht so einfach zu fahren. Die Verbindung zum Inntal ist für uns die etwas schmalere Tatzelwurmstraße, die uns mal kleine Wäldchen, mal sattgrüne Wiesen und ein andermal ein herrliches Alpenpanorama bietet. In Auerbach haben wir die Talsohle erreicht, der Rest ist Formsache – ein paar Kilometer rollen bis Kufstein, Hotel beziehen und ab in die City. Die Perle Tirols präsentiert sich bei bestem Wetter und so können wir nach einem Altstadtbummel draußen unsere Pizza einnehmen. Später sitzen wir noch bis in die Dunkelheit in einem Biergarten am Innufer – die angestrahlte Festung im Blick!

3.7.09 - Kufstein (A) – Berchtesgaden (D) 100 km 1550 Höhenmeter

Genau so kompliziert wie die Abrechnung für die Zimmer erklärt mir der freundliche Wirt den Weg aus der Stadt, wobei ihm auf unserem Streckenplan auffällt: „Da kann man mit dem Fahrrad nicht hin, da geht es den Berg hoch!“ Er meinte die 150 m zum Walchsee hinauf – na ja für den Normalradler absolut tödlich! Draußen steht schon alles reisefertig, als ich aus dem Hotel komme. Entsprechend hastig verstaue ich mein Gepäck im Wagen, winke Herbert noch rückwärts vom Hof und laufe zu meinem Rad. „Wieso kann ich so gut laufen?“ fällt mir ein und ich merke, dass ich meine Radschuhe im Auto habe. Ein Brüll an Herbert, der schon fast weg war und kurz darauf kann es in komplettierter Radsportkleidung auf die Strecke gehen. Wir finden schnell aus der Stadt hinaus und stiefeln zum Walchsee hinauf. Da es sich um eine Steigung handelt, regnet es wieder. Wir haben die letzten Tage gelernt, dass es wohl so sein muss! Genau so logisch ist es, dass es droben wieder trocken wird. Wir durchfahren bei Kössen und Reit im Winkl eine schöne Täler- und Höhenlandschaft mit einigen kleinen Seen. Matthias K. schaut immer wieder nach seinem Hinterrad, mit dem irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Seit Tagen erzählt er von einer Rückrufaktion von Schwalbe für seinen Ultremo; ein Reifendefekt, der sich nach kurzer Fahrzeit einstellen soll. Endlich löst der Reifen sein Versprechen ein und hat eine hässliche Blase auf der Lauffläche gebildet, durch die man das Eingeweide sehen kann. Schnell wechselt er das komplette Hinterrad und kaum liegt das Laufrad im Auto, zerfetzt sich der Reifen mit lautem Knall. Natürlich Diskussionsthema bei der Mittagsrast auf dem Rieder Hof, wo man uns abseits der Straße in Ruhe picknicken lässt. Ein idyllischer Ort mit schönem Ausblick. Noch 45 km liegen vor uns und eine knackige Steigung ist noch zu bewältigen. Nach steiler Abfahrt mit 80 km/h ist der Schwarzbachwachtsattel das letzte große Hindernis auf unserer Tour. Zäh und unangenehm mit oftmals zweistelligen Steigungsprozenten ist der Aufstieg. Ungewöhnlich - deshalb erwähnenswert - ist, dass es nicht regnet. Auf dem Sattel nach etwa 400 Höhenmetern sammeln wir uns erst mal wieder und biegen dann zu einem Abstecher zum Hintersee ab. An der Seeterrasse genehmigen wir uns Kaffee und Kuchen und genießen ausgiebíg den idyllischen Ausblick vor der Kulisse von Hochkalter und Watzmann. Dann ruft die Pflicht wieder und die letzten Kilometer wollen noch abgeradelt werden, der obligatorische Fotostopp vor der Ramsauer Kirche inbegriffen. Das Postkarten-motiv mit acht RTVern gehört einfach dazu! Fast sind wir am Ziel, da erwischt es bei der finalen Abfahrt ein weiteres Mal unseren Matthias, dem gleich zwei Speichen brechen. In Anbetracht des nahen Hotels, der noch zu absolvierenden Talfahrt entlang der Ache und dem bereits beschädigten zweiten Hinterrad wird nichts mehr umgebaut. Im Auto legt er die paar Kilometer zurück, während die übrigen die Einfahrt nach Berchtesgaden noch auf dem Rad erleben. Gut 700 km und knapp 8000 Höhenmeter haben wir auf dem Tacho, als wir zum Hotel Fischer auf den Hof fahren. Grund genug für Bernd, sich am Abend auf der Terrasse eine Zigarre zu gönnen, während die Wolken um den Watzmann aufreißen und einen Blick auf den Berchtesgadener Hausberg gestatten. Derweil relaxen andere im Schwimmbad und bereiten sich mental auf ein leckeres Abendessen vor. Das stilvolle Ambiente des Hotels bietet einen würdigen Ab-schluss unserer Alpentransversale.

Heimreise

Am Morgen trennt sich die Gruppe: Herbert mit seinem Beifahrer Matthias H. nimmt mich im Rad-Transporter nach Freilassing mit, während die Fußgruppe mit der Bahn bis Bad Reichenhall reist. Derweil habe ich mit dem Ford S-Max ein für die Rückfahrt angemessenes Fahrzeug übernommen und nehme kurz darauf die restlichen sechs Tour-Teilnehmer auf.

Harmonisch und kameradschaftlich verliefen die Touren der letzten Jahren alle – diese war

überdies noch durch ein sehr ausgeglichenes Streckenprofil geprägt, das mit einen großzügigen Zeitfenster erlaubte, die landschaftliche Schönheit der Strecke genussvoll zu erleben.

Es geistern schon Pläne für 2010 durch die Reihen!

Lohmar, im Oktober 2009 © Hans Werner Vits RTV Lohmar
 

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