Zehn Fahrer des RTV hatten sich zur Teilnahme an der Vätternrundan angemeldet.
Von diesen zehn Radlern fanden sich letztlich neun am Samstag, dem 17.06.2000 morgens um 2.38h, am Start in Motala als Teil der Startgruppe 200 ein. Alle Fahrer erreichten nach 300 km am gleichen Nachmittag ohne Defekte und, noch wichtiger, unfallfrei und körperlich unversehrt, das Ziel in Motala. Die Erlebnisse der Starter werden in den folgenden Zeilen zur Unterhaltung der Daheimgebliebenen näher beleuchtet.
Die Anreise ging getrennt in mehreren Gruppen vonstatten:
- Günther Lüghausen mit Ehefrau per Wohnwagen nonstop Lohmar - Motala.
- Georg Timmering mit Ehefrau im Wohnmobil.
- Georg und Henni Franken ebenfalls im Wohnmobil.
- Hans-Werner Vits, Andrew Hilton, Andreas Wolff, Edith Hartmann und Heiko Ennenbach ebenfalls im Wohnmobil.
- Uwe Dieckmann per Flugzeug.
Der nun folgende detaillierte und chronologische Tourbericht bezieht sich in erster Linie auf die Erlebnisse der Gruppe 4 im Wohnmobil:
Tag X - 4 Dienstag, 13. Juni 2000
Morgens um 10.00h erhielten Andreas und Hans-Werner die Einweisung zum Handling unseres Wohnmobils. Dann begann um etwa 11.45h das Packen vor Hans-Werners Haus, so dass um etwa 13.20h der Diesel angeworfen wurde und der Ausflug nach Schweden begann. Leider war die A1 im Bereich des Kamener Kreuzes wegen eines umgestürzten Ammoniak-Tankzuges gesperrt, so dass im Ruhrpott eine Ausweichroute gefahren wurde.
Erster Stau und erste Kaffeepause vor Stuckenborstel um etwa 18.30h, zweite Pause um 19.30h, es zieht sich zu, eine Plane wird um die außen auf dem Träger befestigten Renner geschlagen und der Diesel benötigt nach etwa 480 km 60 Liter neuen Brennstoff. Johann Janssen ruft an und will wissen, ob wir schon da sind.
Ein weiterer Anruf auf einem unserer Mobiltelefone, Georg und Henni sind auf dem Campingplatz Puttgarden auf Fehmarn angekommen. Beide sind am selben Vormittag mit dem Wohnmobil eines Freundes in Bielefeld gestartet. Auch wir schlagen um 22.10h nach 640 km, auf denen wir drei Fahrer verschlissen haben, auf dem Campingplatz Puttgarden auf und campieren neben Georg und Henni. Zelt aufbauen, Duschen, Kochen, Essen, Pennen.
Tag X - 3 Mittwoch, 14. Juni 2000
Aufstehen um 8.00h, Frühstück, Spülen, Abfahrt um 10.00h, Georg und Henni sind schon früher weg, wir sehen sie erst in Motala auf dem Campingplatz wieder. Um etwa 10.30h stehen wir an der Fähre gen Dänemark und ahnen nichts Schlimmes, als nun Georg Timmering auftaucht, er steht mit Frau und Wohnmobil etwa 5 Wagen hinter uns. Zusammen schwimmen wir nach Dänemark und erreichen nach etwa drei Stunden Fahrt gegen 14.00h die Fähre Helsingör / Helsingborg, Schweden. Nach nun 950km der zweite Tankstop in Schweden, ein Liter Diesel etwa 2,- DM. Erste schwedische Eindrücke: wellig, waldig und sehr nationalbewusst, viele Nationalflaggen. Nach knapp 1.000km erreichen wir, Georg T. im Schlepp, um 16.40h den Campingplatz am Bolmen - See.
Alle Fahrer bis auf Heiko, der sich auf dem Campingplatz einen Platten holt, starten zu einer etwa 40km lange Touristen - Tour um den Bolmen See. Eigentlich sollte es zum Teil eine Rundtour werden, jedoch entkommt die hierfür erforderliche Fähre äußerst knapp dem Ansturm der Deutschen. Der Fahrplan sagt aus, dass es keine festen Zeiten gibt, ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, so dass die gleiche Strecke zurückgefahren wird. Andrew verübt zusätzlich ein Attentat auf Andreas, bzw. auf dessen Speichenstrahler, der unverhofft in Freiheit gelangen konnte. Günther Lüghausen ist übrigens bereits in Motala angekommen und kämpft mit dem Stromanschluss vor Ort.
Tag X - 2 Donnerstag, 15. Juni 2000
Morgens Entleeren bzw. Nachfüllen der nicht kraftstoffgefüllten Tanks und um 10.15h Abflug nach Motala. Da wir über Jönköping fahren, können wir etwa 110 km unserer Übermorgen zu fahrenden Strecke in Augenschein nehmen. Georg und Ehefrau haben uns vor Jönköping verlassen, um aus taktischen Gründen den westlich des Sees gelegenen, längeren Streckenteil ins Auge zu nehmen. Nach knapp 1.240km haben wir um etwa 13.30h unser Ziel, Motala, am Ostufer des Vätternsees gelegen, erreicht. Unser Campingplatz befindet sich auf dem Freibadgelände des Mariebergbadets direkt am See. Wir treffen Georg und Henni wieder, Günther Lüghausen und Ehefrau lagern etwa 500m entfernt auf einer anderen Wiese, Timmerings kommen wenig später, fast alle haben den Weg zum Startort der Vätternrundan gefunden.
Am Nachmittag zum Start, es ist einen Tag vor Beginn der Tour ruhiger als auf einer RTF. Wir melden uns an, Günther Lüghausen musste aufgeklärt werden, dass heute am Donnerstag Donnerstag ist. Er hat seine Startkarte verlegt, sie erblickt erst am Freitagnachmittag, versteckt in einer Zeitung, wieder das Tageslicht. Starten darf er trotzdem, die Damen an der Anmeldung sagen, er gehöre zu etwa 1000 Startern, denen es ähnlich gehe.
Ersatzteile und Andenken werden gekauft, dann geht’s nach einem Ausflug zum Supermarkt zurück zum Campingplatz. Johann ruft an, will wissen wie`s uns geht, alle Versuche Uwe zu erreichen, Flaschenpost, Rauchzeichen und reitender Bote, scheitern. Abends Treffen bei einem Bier - wir haben 25 Liter mitgenommen - an unserem Wohnmobil. Das Wetter: frisch, windig, wolkig.
Tag X - 1 Freitag, 16. Juni 2000
Um 7.00h Schwimmen der gesamten Wohnmobilbesatzung, einzige Ausnahme Edith. Andrew fährt anschließend Brötchen holen, dann Frühstück und per Rad in die Stadt. Der Campingplatz ist immer noch sehr leer, sehr gepflegt und sauber. Heute wie gestern konnte man Georg Timmering am Morgen vom Joggen einlaufen sehen. Wir sind um 10.00h alle am vorher vereinbarten Treffpunkt Folkets-Hus, lediglich Uwe fehlt und ist nicht zu erreichen. Der Tag wird in Motala verbummelt, Fahrradshop, McDonalds „Rundan Menü“, Start einer Etappe des Radrennens „Post-Giro Open“, Materialpflege, Klamotten für Morgen rauslegen, Nummernlappen beschriften, Aufkleber am Rad anbringen.
Nach einem frühen Abendessen verschwinden Heiko und Edith um 19.00h ins Zelt, schlafen erst ab 22.00h, da nebenan ein wenig Randale stattfindet. Der Rest der Lohmarer sieht sich den Start der Veteranen (35. Rundan) und der Sondergruppen an und geht anschließend in die Kiste, das Wetter: frisch, windig, wolkig, Regenschauer am Abend.
Tag X Samstag, 17. Juni 2000
Um 1.00h Aufstehen und ein Kaffee, wolkenloser Himmel, der böige Westwind ist in einen leichten Nordwind umgeschlagen, dämmerig, Sonnenbrille ist schon möglich, kühl, alle fahren in Lang mit Winterhandschuhen. Heikos ewiges Lamento, „Es wird regnen!“ bewahrheitet sich zum Glück nicht.
Um 2:00h Licht an und zum Start, Uwe erscheint nicht. Beleuchtungskontrolle, Fotos, in die Startgasse, hervorragende Organisation wie gewohnt. Unsere Gruppe 200 startet einige Minuten später als vorgesehen, eskortiert von einem Motorradfahrer bis zur Stadtgrenze, erste unermüdliche Zuschauer jubeln uns zu. Flach ziehen sich die ersten Kilometer hin, bis die Strecke welliger wird und vor uns eine nicht enden wollende Lichterkette roter Rückleuchten den weiteren Straßenverlauf anzeigt. Ein „290 km“ Schild verkündet das nahe Ziel. Bis zur ersten Kontrolle in Hästholmen bei Kilometer 43 wird ein hohes Tempo, meist über 30km/h gefahren. Nach einer Stärkung mit Kaffee, Brötchen oder Blaubeersuppe geht’s nach dem Sonnenaufgang schnell weiter - es ist sehr frisch.
Andreas sowie Georg und Henni Franken gehen unterwegs leider verloren und werden erst in Motala wieder gesehen. Zwei Pinkelpausen der verbliebenen 6 RTVer(innen), Edith, Andrew, Hans-Werner, Georg Timmering, Günther und Heiko sowie ein Aufenthalt bei einem Unfall eines schwedischen Mitstreiters vergrößern neben unserem deutlich moderaterem Tempo von etwa 27km/h den Vorsprung der Drei.
Bis zur zweiten Kontrolle nach 79 km in Gyllene Uttern gewöhnt man sich bei moderater Strecke an die Fahrweise der Mitradler. Viele Kamikazefahrer sind in unglaublichen Klamotten und auf den unterschiedlichsten Vehikeln unterwegs. Auch an dieser Kontrolle werden Menschenmassen angetroffen, alles läuft jedoch sehr diszipliniert ab und ist top organisiert. Die jetzt hoch am Berghang verlaufende Straße gibt des öfteren einen Blick auf den schimmernden Vätternsee frei.
Weiter nach Jönköping, das wir gegen 6.00h nach gefahrenen 109 km erreichen, erstes warmes Essen, Kartoffelpüree mit Würstchen, sowie Bananen, Milch, Brötchen, Blaubeersuppe, Kaffee, alles reichlich und gut.
Die 6 Lohmarer, alle in Vereinsjacke mit langen schwarzen Hosen, immer an der Spitze einer Gruppe, bieten einen interessanten Anblick für die einheimischen Rundan-Fans, die am Campingtisch mit einer Kanne Kaffee die vorbeiziehenden Fahrer beobachten und die Leistung der Fahrer mit Klatschen, La-Ola-Welle und Hei-Hei-Rufen honorieren.
Nächste Rast in Fagerhult bei Kilometer 140, weiter nach Hjo wo uns nun das Hauptgericht, warme Lasagne mit kaltem Gemüse erwartet. Etwa 180 sind jetzt gefahren, die letzten 80 km gingen über ein welliges Streckenprofil, die Depots bzw. Kontrollen liegen jetzt enger beieinander.
Georg Timmering hält das Feld gut zusammen und das Tempo bleibt konstant angenehm. Krämpfe und andere Probleme treten, ebenso wie Pannen, nicht auf. Man sieht die ersten Radler eine Pause im Straßengraben machen, hier liegt ein Rad und 2m weiter der schlafende Fahrer. Einige Familien der Mitradler warten am Straßenrand in Wohnmobilen auf ihre Stars, die zusätzlich noch gut versorgt werden. Es liegt erstaunlich wenig Müll seitlich der Strecke, in Deutschland unvorstellbar, lediglich die ein- oder andere einsame Trinkflasche, mit letzter Kraft dem Nebenmann an den Kopf geworfen, liegt einsam und verlassen am Straßenrand. Bei strahlendem Sonnenschein überqueren wir mit herrlichem Blick auf den See den Hammarsund.
Gegen 17.00h letzte Kontrolle 20 km vor Motala, auch die nehmen wir mit, dann geht es für den Lohmarer Sixpack vorbei am „10 km“ Schild über die letzten Buckel nach Motala rein, durch die Stadt, an den Kreuzungen wie gewohnt Streckenposten, am jetzt schon geschlossenen und perfekt aufgeräumten Start vorbei, an die Hafenpromenade zum Ziel.
Langsamer Zieleinlauf, die Gedanken an einen Sprint kommen leider zu spät, rechts und links der Absperrungen jubelnde Zuschauer wie bei einem Rennen, absteigen, Zielfoto, Medaille, Ende mit einem Schnitt von knapp 26 km/h.
Die Frauen von Georg und Günther erwarten uns bereits seit 16.00h, schießen Fotos, dann geht’s zurück zum Folkets-Park. Häufige Fragen „Have you finished?“ beantworten wir gerne und auch ein wenig stolz. Ein Glas Sekt für jeden der 6, große Augen unserer schwedischen Nachbarn ob dieses Luxus, ab in die Dusche und um 20.00h Treffen beim Italiener an der Seepromenade 200m vom Campingplatz, aber gegen 21.30h ist für alle Zapfenstreich. Vom im Nebenraum übertragenen Sieg der englischen Fußballnationalelf gegen die Deutschen kriegen wir nichts mehr mit.
Am nächsten Tag machen wir uns gegen 10.00h ab Richtung Lohmar. Günther Lüghausen und Georg Timmering hängen mit ihren Frauen noch ein Woche Urlaub dran, Frankens starten wenig später Richtung Heimat. Am Abend erreichen wir nach einem Tankstopp um etwa 22.00h, 1,1 Liter Diesel sind noch im Tank, gegen 23.00h Fehmarn. Gegen 7.00h geht’s am nächsten Morgen weiter und um 15.00h sind wir wieder in Lohmar. Das Wohnmobil wird ausgeräumt, gereinigt und zurückgegeben.
Fazit
Die Rundan war top organisiert, Ausschilderung in der Stadt, Campingplatz, Start, Tour selbst, Streckenposten, Verpflegung und Zieleinlauf waren klasse.
Innerhalb des RTV gilt unser besonderer Dank Hans-Werner für die perfekte Vorbereitung und Edith für ihr ökotrophologisches Engagement sowie Georg Timmering für seine Führung des Fahrerfeldes auf der Strecke


